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Historisches Pressearchiv

Die Kommunisten gegen den Landraub von Nohra
Der Verein Flugplatz-Nohra e.V. macht zu Zwecken der Wissenschaft, Forschung und Lehre historische Zeitungsartikel zugänglich. Der Verein Flugplatz-Nohra e.V. distanziert sich ausdrücklich von allen rassistischen, antisemitischen und weiteren diskriminierenden Inhalten sowie von gewaltverherrlichenden und propagandistischen Darstellungen.
Die Kommunisten gegen den Landraub von Nohra
Die Kommunisten gegen den Landraub von Nohra
Auf Ersuchen des Bundes schaffender Landwirte brachte die Fraktion der Kommunisten im Landtag von Thüringen folgende kleine Anfrage ein:
Zum Zwecke der Schaffung eines Zentralflughafens in der Flur Nohra, Ulla und Hopfgarten sind den dortigen Bauern Pachtländereien in der Größe von ca. 300 Morgen gekündigt worden. Dadurch sind Kleinbauernwirtschaften in ihrer Existenz aufs Schwerste bedroht. Die Maßnahme trifft die Pächter um so empfindlicher, als sie bereits schon während des Krieges um dasselbe Land durch Enteignung gekommen sind. Trotz Versprechungen wurde ihnen das Land nach Beendigung des Krieges nicht wieder zurückgegeben, sondern nur als Pachtland überlassen.
Bereits im Februar 1925 hat die kommunistische Fraktion des Landtages in einer kleinen Anfrage auf die bestehenden Mißstände hingewiesen und die Rückgabe des Landes an die ehemaligen Eigentümer gefordert, weil in mehrere Fällen
den Besitzern nur noch die Wirtschaftsgebäude übrig bleiben.
Die Antwort der Regierung war damals eine ausweichende. Eine weitere kleine Anfrage der Kommunisten wurde von der Regierung dahin beantwortet, dass sich noch nicht übersehen ließe, welchen Umfang der Betrieb des Ing. Becker annehmen würde. Die Behandlung der geschädigten Besitzer, besonders die dauernd hinausgezogene Regelung der Angelegenheit, hat die Bauern in den betreffenden Orten in begreifliche Erregung versetzt. Um sich ein Bild von den Verhältnissen machen zu können, sei hier der Werdegang kurz geschildert:
Während des Krieges in den Jahren 1916 und 1917 wurde durch die Militärbehörde die Errichtung eines Flughafens in den Fluren Nohra, Ulla und Hopfgarten in Angriff genommen. Es wurden 110 Hektar Land zu diesen Zwecke enteignet. Durch besondere Maßnahmen der Militärbehörde war die freiwillige Abgabe insofern erreicht worden, indem man den meisten im Felde befindlichen Bauern Urlaubsversprechungen machte und den Bauern daraufhin im Felde die Zustimmung abpreßte, da ihnen sonst sein Urlaub gewährt wurde. Einigen Wirtschaften wurde durch diese Maßnahmen die Arbeitsmöglichkeit genommen, indem nur die Wirtschaftsgebäude übrig bleiben. Nach Beendigung des Krieges und Einstellung des Flugplatzbetriebes wurde das Land nicht den früheren Eigentümern zurückgegeben, sondern die Stadt Weimar erhielt vom Fiskus ca. 270 Morgen und der Fiskus selbst behielt ca. 150 Morgen. Sowohl der Fiskus als auch die Stadt Weimar verpachteten das Land nur zum Teil wieder an die ehemaligen Eigentümer, der andere Teil ging in Pacht eines Spediteurs in Weimar über. Das Land, welches die Stadt Weimar besitzt und verpachtet hatte, ist jetzt den Bauern zum Zwecke des Zentralflughafens gekündigt und bereits am 1. Oktober d. Js. weggenommen. Da nur eine vierteljährliche Kündigung in Frage kam, war es den Bauern nicht möglich, sich nach irgend welchem anderen Land umzusehen. Durch diese Maßnahme ist ein unhaltbarer Zustand eingetreten, welcher eine Verschärfung der Existenzmöglichkeit der Bauernwirtschaften bedeutet.
Wir fragen die Regierung:
  1. Sind ihr diese Vorgänge bekannt?
  2. Was gedenkt die Regierung zu tun, um die gefährdeten Besitzer vor dem Untergang zu bewahren?
  3. Ist sie bereit, die durch die im Kriege erfolgte Enteignung die Geschädigten voll aufzuwerten?
  4. Ist sie bereit, die Wiedererrichtung des Flugplatzes Nohra zu verhindern und die Entziehung von Land, welches in den dortigen Flur der beste Boden ist, im Interesse der Volksernährung und zum Schutze der bedrohten Kleinbauernwirtschaften zu verhindern?
  5. Sollte die Errichtung des Flughafens nicht zu verhindern sein, ist die Regierung dann bereit, eine Umsiedlung der geschädigten Bauern mit gleichen Bodenverhältnissen innerhalb Thüringens durchzuführen, ohne irgend welche finanzielle Schädigung der Bauern?

Fraktion der Kommunisten


Anmerkung: Dieser Artikel wurde den Unterlagen des Stadtarchivs Weimar über den Flugplatz Nohra entnommen.
Quelle: Neue Zeitung (historisch) vom 22.11.1926 | Tags: Flugplatz472 Mal gelesen seit 03.10.2023