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Historisches Pressearchiv

Werbewoche des Bundes Deutscher Flieger
Der Verein Flugplatz-Nohra e.V. macht zu Zwecken der Wissenschaft, Forschung und Lehre historische Zeitungsartikel zugänglich. Der Verein Flugplatz-Nohra e.V. distanziert sich ausdrücklich von allen rassistischen, antisemitischen und weiteren diskriminierenden Inhalten sowie von gewaltverherrlichenden und propagandistischen Darstellungen.
Werbewoche des Bundes Deutscher Flieger
Werbewoche des Bundes Deutscher Flieger
Segelflugzeug-Taufe in Weimar - Vorführungen auf dem Flugplatze
Die aus Anlaß der im ganzen Deutschen Reiche veranstalteten Werbewoche des Bundes Deutscher Flieger für den Fluggedanken in Weimar angekündigte Taufe von fünf Segelflugmaschinen auf dem Marktplatze hat alle Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar noch weit übertroffen. Eine überaus rege Teilnahme der Bevölkerung bewies, daß der Fluggedanke in Weimar allen Pessimisten zum Trotze, doch noch lebt und drauf und dran ist, sich weiter auszubreiten. Es bedarf dazu ab und zu eines Anstoßes oder einer kleinen Nachhilfe.
Vor allem sein in der Öffentlichkeit festgestellt, daß in Weimarer Bunde Deutscher Flieger unter der Leitung Ernst Brühls eine Luft und Liebe zur Sache herrscht, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. In der uneigennützigen Weise stellt sich jeder gern und freudig in den Dienst des Fluggedankens, dabei sich der Dienst im edelsten Sinne des Wortes ist. Brave Jungen opfern Zeit und Geld um einer hohen Sache willen, die nicht genug gestützt und gefördert werden kann. Die Jungflieger haben sich die Segelmaschinen selbst gebaut, allen voran Patenge und Preller, deren Hochleistungsmaschine anderthalb Jahre angestrengter Arbeit bedurfte und viele Zeit- und Geldopfer kostete, ehe sie so herrlich und gleißend dastand, wie sie den Weimarern am Sonntag gezeigt werden konnte. Die Schüler der Aufbauschule zimmerten mit unendlicher Geduld sich eine schöne Maschine zurecht, ebenso die Jungflieger Pardo und Mirus und Noack. Die Freude war natürlich große, als die Maschinen schwebten und ihre Brauchbarkeit bewiesen. Der gestrige Tag war ein Freudentag besonders für diese jungen Leute, ein Tag der Genugtuung und stolzer Gefühle.
Von früh 4 Uhr ab arbeiteten unermüdliche Mitglieder des Bundes an dem Transporte der Maschinen, die natürlich auseinandergenommen und dann wieder zusammengesetzt werden mußten, von der Halle auf dem Flugplatze bis zum Marktplatze. Unermüdliche Hände schmückten den Platz mit Wimpeln und bunten Fahnen, die die Weimarer Generalvertretung des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatten. Im Halbkreise standen, gestützt und geschmückt, am Vormittag die stolzen fünf Maschinen vor dem Rathause, umringt von einer hundertköpfigen Menschenmenge, die regstes Interesse bekundete. Als gegen Mittag die Feier begann, umsäumten dichte Menschenmassen den Markt. Die Weimarer Standortkapelle hatte liebenswürdigerweise ihr übliches Wandelkonzert auf den Marktplatz verlegt und trug so zur Verschönerung der Veranstaltung bei. Unter den Ehrengästen sah man Vertreter der Staats- und Stadtbehörden, der Weimarer Garnison usw., so Oberbürgermeister Dr. Mueller, Stadtrat Schulze, Major Veiel, den Standortältesten, Justiziar Mardersteig, Offiziere der Landespolizei, Direktor Schüller vom Nordloyd usw.
Mit einem Niederländischen Dankgebet wurde die Feier eingeleitet. Der Aufbauschüler Volland, unter dessen zielsicherer Leitung die dem Bunde angeschlossene Jungfliegergruppe der Deutschen Aufbauschule Weimar steht, sprach mit klarer Stimme einen Prolog, und der Vorsitzende des Bundes in Weimar Ernst Brühl richtete weithin vernehmbare Worte der Begrüßung an die Erschienen. Er wies dabei auf die vaterländischen Ziele des Bundes hin und bat dem Bunde und seinen Aufgaben weiterhin reges Interesse zu erhalten. Darauf nahmen die Taufpaten den Taufakt vor. Oberbürgermeister Mueller, als Vertreter der Landeshauptstadt, die bekanntlich einen der ersten deutschen Flugplätze besitzt und von der aus die erste deutsche Luftverkehrslinie im Jahre 1919 (Weimar - Berlin) errichtet wurde, taufte die Hochleistungssegelmaschine mit komprimierter Luft auf den Namen "Weimar" mit dem Wunsche, daß sie bei den Rhönwettbewerben dem Namen Weimars alle Ehre machen möge. - Gutsbesitzer R. Müller, Ottstedt am Berge, der hochherzige Gönner und Förderer der Segelfliegergruppe Weimar, wies auf die alten Beziehungen zwischen den Segelfliegern und Ottstedt am Ettersberg hin und überreichte eine Urkunde, nach der er sein Besitztum, ein Häuschen auf dem als Übungsgelände dienenden Vogelsberge, den Weimarer Segelfliegern als Heim zur Verfügung stellt. Er taufte die von Pardow erbaute Maschine auf den Namen "Vogelsberg". - Alsdann nahm Landwirt Wiesental, Ottstedt am Berge, als Taufpate die Taufe der "Alten Kanone" vor, mit der Mahnung, daß der Soldat im Kriege seine Waffe immer hochhalte. Genau müsse Weimars Segelfliegergruppe ihre erste Maschine, die "Alte Kanone", die schon manchen Sturm erlebt habe, hochhalten. - Oberstudiendirektor Prof. Dr. Voigt, der Direktor der Deutschen Aufbauschule, taufte mit dem Hinweise auf den Spruch am Eingang zu den Franckschen Stiftungen in Halle den "Adler", der bekanntlich unter Leitung von Volland von Aufbauschülern erbaut wurde. - Lehrer Walther, Ottstedt am Berge, der verdiente Gemeindepoet der Ettersberg-Gemeinde und Förderer des Heimatgedankens richtete kernige Worte an die Jungflieger, denen der Ettersberg als Übungsgelände für immer ans Herz gewachsen sein müsse. Deshalb solle die Maschine bei der er Pate stehe, auf den Namen "Ettersberg" getauft werden - Der Fliegermarsch beschloß den feierlichen Akt. Ein einstündiges Konzert der Stadtortkapelle, die unter Leitung des Musikmeisters Jolly steht, schloß sich an, und später wurden die Maschinen zur Besichtigung freigegeben. Auf dem Marktplatze herrschte noch lange ein buntes Leben und Treiben.
Am Nachmittag wurden die Maschinen auf den Flugplatz zurücktransportiert, und es wurden Segelflugvorführungen gezeigt, bei denen sehr beachtliche Leistungen erzielt wurden. Die Maschinen flogen leicht und stolz über den Platz, besonders die "Weimar" und der "Ettersberg". Letztere erreichte einmal sogar eine Höhe von 12 Meter. Das ist allerhand, wenn man bedenkt, daß die Maschinen von ebener Erde starteten. - Eine wahre Völkerwanderung hatte nach dem Flugplatze eingesetzt, und alle schauten den Übungen interessiert zu. Gegen Abend tauchte plötzlich der Leipziger Kunstflieger Dr. Gullmann mit seiner Junkers-Junior über dem Platze auf und zeigte der überraschten Menge halsbrecherische Kunstflüge, die stürmische Begeisterung auslösten. - Überall gingen junge Leute umher und sammelten Spenden für die deutsche Fliegerei. Bekanntlich ist nach dem Versailler Vertrage dem Fiskus verboten die Sportfliegerei in Deutschland finanziell zu unterstützten. Also muß die Bevölkerung helfen, daß es gelingt, Nachwuchs heranzubilden, damit es weiterhin heißt: Deutschland in der Luft voran!
Am heutigen Abend spricht Hauptmann Köhl, der Ozeanflieger, im Armbrustsaale. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, dass er zwischen 6 und 7 Uhr in Weimar eintrifft. Der Empfang soll ihm zeigen, daß man auch in Weimar seine große Leistung zu schätzen weiß.
Doe.
Quelle: Deutschland (historisch) vom 17.05.1930 | Autor/in: Doe.248 Mal gelesen seit 21.11.2023