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Presse

Das moderne Kleinverkehrsflugzeug in Weimar
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Das moderne Kleinverkehrsflugzeug in Weimar
Das moderne Kleinverkehrsflugzeug in Weimar
In Verbindung mit den Plänen des Weimarer Flugzeugbau, Ing. A. Jung, im Lauf der kommenden Sommermonate Weimar, seiner Bedeutung als Fremdenverkehrsstadt entsprechend, einen Platz im Luftverkehr zu sichern, hatte man von Bremen eine neue Flugzeug-Konstruktion der Focke-Wulf-A.-G. kommen lassen. Herr Ingenieur Jung und der Geschäftsführer der Bremer Luftverkehrsgesellschaft, Herr Edgard, der Führer des Flugzeugs, ließen eine Reihe von Einladungen zur Besichtigung des Flugzeuges und zu Flügen ergehen. Unter den Erschienen bemerkte man Herrn Stadtrat Engelking und Herrn Dr. Schimrigt als Vertreter der Stadt Weimar, die Herrn Offiziere der Landespolizei, Herrn Lenar vom Deutschen Nationaltheater usw. Einleitend hielt Herr Edgard einen sehr interessanten Vortrag über den Tod des Flugzeuges selbst und die Vorteile der Konstruktion und wies darauf hin, daß es zum ersten Male gelungen sei, mit einem 75pferdigen Stern-Motor 4 Personen mit Gepäck mühelos, wie in einem Großflugzeug, zu befördern. Die Unrentabilität der großen Verkehrsflugzeuge bringe es mit sich, daß Städte wie Weimar vom Luftverkehr bald abgeschnitten zu werden drohten. Dem hilft der Focke-Wulf-Typ A 16 ab. Das Flugzeug selbst nahm am 13. Juli 1924 den flugplanmäßigen Verkehr Bremen-Wangerooge auf und hat sich während dieser Zeitglänzend bewährt. Als aufsehenerregend muß die Tatsche gebucht werden, daß Herr Edgard am 19. Juli 1924 bei äußerst wildem Weststurm von 16-18 Gestundenmetern in Bremen startete, um von Wangerooge einen Schwerkranken zu Operation nach Bremen zu holen. Der Flug erfolgte mit 3 sehr schweren Passagieren, Gepäck und vollem Tank, was einer Leistungsbelastung von 14,1 kg-PS entspricht. In Wangerooge herrsche orkanartiger Gewittersturm mit derartigen Regenböen, daß zeitweise nur 100 Meter Sicht war. Der Dampfverkehr war eingestellt und für die Schiffahrt Sturmwarnung ausgegeben. Marinemannschaften mußten das Flugzeug halten. Nach dem Start auf völlig durchweichtem Platze erfolgte, zeitweise nur 100 Meter Höhe über See, der Rückflug nach Bremen in 37 Minuten. Über Bremen herrschte ein Gewitter, in das Herr Edgard mitten hinein flog. Es beweist dies aufs neue, daß gut konstruierte Kleinflugzeuge sich in jeder Beziehung mit Starkmotorigen Maschinen messen können. Sie aber in bezug auf Wirtschaftlichkeit weit übertreffen. Die Kabine liegt nur 30 Zentimeter über der Erde und ist luxuriös ausgestattet. Die Fenster, sämtlich zum Öffnen und aus Splitterfreiem Glase, bieten einen vollkommen freien Ausblick. Die Leistungen der Maschine haben selbst die Konstrukteure überrascht.
Ich hatte das Vergnügen, mit Herrn Oberstleutnant Traub und Herrn Lenar zusammen den ersten Flug mitzumachen. Wenngleich es nicht der erste meines Lebens war - ich hatte in Potsdam und Berlin-Staaten schon Gelegenheit dazu gehabt - so war es doch mein erster Kabinenflug, und ich muß sagen, daß ich aufs angenehmste überrascht war. Die Konstruktion ist so sinnreich, daß man durch das Motorengeräusch fast nich an der Unterhaltung gestört wird. Ich bin einmal mit einem alten Herrn geflogen, der behauptete, es sei gerade so schaukelnd, wie auf dem Schiff. Das trifft nun für den Focke-Wulf-Typ nicht zu. Das Flugzeug schwebt dermaßen leicht in der Luft, rhytmisch gleichförmig, daß man nicht die geringsten Beschwerden fühlt.
Über die Genüsse eines Fluges, die nicht zu schildernden Bilder, zumal über unserem guten alten Weimar, will ich hier schweigen; aber über die Bedeutung des Luftverkehrs für Weimar muß noch etwas gesagt werden. Keine Stadt in Thüringen ist so glänzend geeignet, an den Flugverkehr angeschlossen zu werden, wie Weimar. In jeder Beziehung. Na, und wo hapert es? Nur an der Interesselosigkeit der in Betracht kommenden Instanzen; denn für so etwas muß Geld geschafft werden. Den Vorteil zögen doch die Weimaraner nicht nur in Ideeller, sondern auch in - materieller Hinsicht. Das liegt doch klar auf der Hand. Was macht man in Erfurt, Gotha und Jena für Anstrengungen! Bis jetzt glückte es noch keiner dieser Städte, Weimar aus dem Range der ersten für diese Zwecke in Betracht kommenden Stadt zu verdrängen. Aber es kommt soweit, wenn sich in Weimar keine Hand regt. (Sogar - Apolda will einen Flugplatz bauen!) Wenn das so weiter geht, dann müssen die deutschen Flugzeuge noch von fremden Piloten gesteuert werden!
Der Verkehrsverein muß sich dieser Frage besonders annehmen. Er ist wohl die berufenste Instanz. Aber Herrn Jung sei auch an dieser Stelle gedankt, daß er Weimar solche Möglichkeiten eröffnet. Er will bekanntlich einen wöchentlich 2-3maligen Zubringerdienst nach Weimar einrichten. Wünschen wir, daß seine Bestrebungen von Erfolg gekrönt sind.
Herr Edgard flog dann nach Süddeutschland und wird auf seinem Rückflug Weimar wieder berühren. Er hat sich in der kurzen Zeit seines Hierseins Sympathien erworben und wird, wie er versicherte, gern nach Weimar zurückkehren.
Quelle: Deutschland (historisch) vom 15.02.1925 | Tags: Weimar510 Mal gelesen seit 19.11.2023